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2005 Mannheim

“In Mannheim die Fabrik...”, heißt es in der zweiten Strophe des Badenerliedes. Diese Typisierung war den Mannheimern schon vor 100 Jahren nicht mehr ganz so geheuer, wollten man doch als auch damals schon größte Stadt im Großherzogtum zeigen, dass man es inzwischen auch bereits schon zu einem wohlhabenden Dienstleistungszentrum gebracht hatte. Etwa mit dem Hauptsitz der “Badischen Bank”, mit Sitzen andere Banken oder mit einer Produktenbörse, die auch heute noch tagt. Zeugnisse dieses Mann- heimer Selbstbewusstseins – auch und gerade gegenüber der Residenz und Landeshauptstadt – finden sich auch heute noch zahlreich im Stadtplan der Quadratestadt, wie die Teilnehmer des B.F.s.B.W.-Jahresausflugs 2005 am traditionellen Reisetag “Allerheiligen” erfahren konnten.“In Mannheim die Fabrik...” war das Motto der Fahrt, die in diesem Jahr wieder einmal mit öffentlichen Verkehrsmitteln durchgeführt wurde – wie schon so oft von Wanderrefe- rentin Marion Köppel und ihrem persönlichen Referenten Hans-Peter Köppel in allerbester Art und Weise vorbereitet.Es ist ein böswilliges Gerücht, dass die erste Fahrtunterbrechung bereits in Graben-Neudorf eingelegt wurde, weil neben der Präsidentin Ingrid Müller (Dettenheim-Liedolsheim) mittlerweile auch der Vizepräsident Rüdiger Homberg (Stutensee-Spöck) im nördlichen Landkreis Karlsruhe wohnt. Es hat sich nur gut gefügt, dass es dort mit dem “Oasen-Bräu” eine neue, nach Urteil der B.F.s.B.W.-Gäste ganz angenehme Hausbrauerei gibt. So konnten sowohl die Präsidentin als auch der Vize dort zur immerhin fast 70-köpfigen Reisegruppe stoßen, um mit allen Teilnehmer als ersten Punkt der Tagesordnung ein reichhaltiges Frühstück einzunehmen. Schließlich galt es, sich für einen anstrengenden Gang durch ein große Stadt zu rüsten. Manch einer tat dies auch derart, dass er neben dem Kaffee bereits die hausgefertigten flüssigen Hopfen- und Malz- produkte auf ihre Qualität überprüfte.Der Kaffee floss in jedem Fall in Strömen, auch wenn es dem Präsidenten einer befreundeten Karnevalsgesellschaft aus dem Karlsruher Osten zunächst nicht gelang, seine Frau mit dem schwarzen Türkentrunke zu versorgen, weil er auf dem Weg zu ihr manche Tasse vieler anderer Bundesglieder füllen musste. Im zweiten Anlauf nahm er dann eine noch größere Kanne – und konnte so auch seine Gattin und ihren Hofstaat beglücken.Die Deutsche Bahn AG erwies sich als ungewöhnlich pünktlich und zuverlässig, und der Überwacher im Stellwerk wusste von den außerordentlich vielen Reisenden, die in Graben-Neudorf zusteigen wollten. So bat er über Lautsprecher darum, sich auf mehrere Türen zu ver- teilen, damit die Regionalbahn ohne Zögern gen Mannheim weiterfahren konnte. Und man kam denn auch pünktlich in dem vor etwa sechs Jah- ren für seinerzeit 100 Millionen Mark aufge- möbelten Hauptbahnhof an. In dem Hauptbahnhof, den wenig später DB-Chef Hartmut Mehdorn als “Milchkanne” bezeichnete, weil er mit den ICE´s an Mannheim vorbei fahren möchte. Vielleicht will er stattdessen in Friedrichsfeld halten – so wie in Kassel-Wilhelmshöhe. In wieweit die Pläne mittlerweile vom Tisch sind, das wissen mit letzter Gewissheit nur Herr Mehdorn und der liebe Gott.Der B.F.s.B.W. aber weiß nun in jedem Fall mehr von der Stadt Mannheim. Denn Heidi Feickert und Rolf Jochem vom städtischen Führungsdienst warteten be- reits draußen, auf dem ebenfalls umge- stalteten Vorplatz, um die Besucher in Empfang zu nehmen. Ein gutes Drittel ging mit ihr, ebenso viele mit ihm, während der Rest der Gruppe testete, ob die Mann- heimer Gastronomie badischen Gemüt- lichkeitskriterien entspricht. Dem Verneh- men nach hielt sie der Prüfung stand. Auch wenn die Tester in einem Lokal so viel nach Pilsener Art Gebrautes orderten, dass nicht mehr genügend passende Gläser vorhanden waren. Der Wirt behalf sich auf recht unorthodoxe Weise, indem er den Gerstensaft in Cola-Gläsern aus schenkte.Mannheim, ein kleines Fischerdorf am Rhein, wurde ab dem 17. Jahrhundert größer, weil Kurfürst Carl Philipp von der Pfalz Ärger mit den Heidelbergern bekommen und seine Residenz vom Bergesrand in die Ebene hinaus verlegt hat – eben nach Mannheim. Im Jahr 2007 feiert man 400 Jahre Stadtrecht. Als absolutistische Herren erwiesen sich Carl Philipp und sein Sohn Carl Theodor von der Pfalz bei der Anlage ihrer Residenz und ihrer Stadt. Das Schloss, so heißt es, sei das größte Barockschloss – nach umbautem Raum gemessen – in Europa, also auch größer als das Schloss von Versailles. Vom Mittelpunkt des Schlosses aus bildet sich der Schachbrett-Grundriss der barocken Stadt. Links der Breiten Straße die Quadrate von A bis L (I und J sind eins), rechts der Breiten Straße die Quadrate von K bis U. Das Mannheimer Alphabet geht also nur bis U. Direkt an der Breiten Straße haben die Quadrate die Nummer eins, je weiter weg sie von der Breiten Straße liegen, umso höher ist ihre Nummerierung – wohl etwa bis Nummer fünf. Und die Hausnummer 1 liegt immer an der dem Schloss und der Breiten Straße nächsten Ecke des Quadrats. Links steigen die Hausnummern gegen, rechts im Uhrzeigersinn. Der Kurfürst konnte also sozusagen Brustschwimmend zeigen, wo seine Bürger wohnen. Und so entschlüsselte sich auch den Gästen von außerhalb Mannheims doch recht einleuchtend die Systematik der Quadratur einer Stadt.Auch 1907 feierte Mannheim – 300 Jahre Stadtrechte. Unter anderem mit einer Kunst- und Gartenbauausstellung, zu der eigens eine Kunsthalle errichtet wurde. Führerin Feickert konnte sich den Seitenhieb auf Karlsruhe nicht verkneifen, dass den Jugendstilbau der in der Residenz ob seiner freizügigen Darstellungen in Ungnade gefallene Architekt Hermann Billing errichten durfte. Allerdings mit Haupteingang jenseits des Friedrichsplatzes, weil ursprünglich geplant war, im Norden noch einen Anbau zuzusetzen und so das der Stadt zugefallene Erbe des Geschwisterpaars Karl und Anna Reiss zu verbauen. Daraus wurde aber nichts. Das Reiss-Engelhorn-Museum steht nun in den Quadraten. Der Anlage des Friedrichsplatzes schadete dies nicht, in seiner Mitte steht ein Zweckbau, der dennoch Wahrzeichen Mann- heims ist, der Wasserturm. Eine Jury um den Karlsruher TH-Professor Josef Durm hatte für seine künstlerische Gestaltung gesorgt. An der Nordseite des Friedrichsplatzes – benannt nach Großherzog Friedrich I. – steht der Jugend- stilbau des “Mannheimer Rosengartens”, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Musikhalle für die Gesangvereine konzipiert war und – inzwischen mehrmals erweitert – als Kongresszentrum dient. Nach Osten erstreckt sich die Augustaanlage, die zusammen mit den nach innen in die Quadrate führenden Planken die “Mannheimer Kulturmeile” bildet. An den Planken und der sie querenden Breiten Straße konzentriert sich das Mannheimer Einkaufs- und Geschäftsleben. In der Nachbarstraße, den Kapuziner-Planken, steht eine Skulptur, die Peter Schäfer darstellt, besser bekannt als “der Blumenpeter”, um den sich in Mannheim unzählige lustige Geschichten ranken. Auch die, dass er auf der Suche nach seinem “Knoddelkärchel” (Wägelchen, mit dem er Pferdeäpfel – Knoddel – eingesammelt hat), in den Sophienauen beim Schloss auch ein Pärchen belauscht hat. Er zu ihr: “In Deinen Augen sehe ich die ganze Welt!” – Blumenpeter zu ihm: “Siehschde aach mei Knoddelkärchel?”Die Mannheimer sind für ihre Nachbarn die “Blomäuler”, die Aufschneider. Sie haben aus der Not eine Tugend gemacht und vergeben zu Karneval immer den “Blomaul-Orden”, den schon viele prominente Mannheimer getragen haben, wie etwa die Sängerinnen Anneliese Rothenberger, Joana oder Joy Fleming. Träger 2005 war der im November 60 Jahre alt gewordene Kabarettist Hans-Peter Schwöbel. Der Blomaul-Orden besitzt die Gestalt des Blumenpeters. Mannheim, von Menschen vieler Nationalitäten gebaut, in der Zeit der Gründung Zentrum für zahlreiche Religionsflüchtlinge, nimmt auch heute noch für sich in Anspruch, im besten Sinne “multi-kulti” zu sein. So stehen katholische und evangelischen Kirchen nahe bei Deutschlands größter Moschee und bei der Synagoge – und diese beiden eher ungewöhnlichen Gotteshäuser müssen in “Mannem” längst nicht so polizeilich bewacht werden wie anderswo. Darauf ist man in Mannheim sehr stolz – wohl zurecht.Das Denkmal Friedrich Schillers auf dem Schillerplatz – dort stand bis zum zweiten Weltkrieg das Nationaltheater, in dem der abtrünnige Schwabe seine “Räuber” uraufführte, mit Carl Iffland als Mohr, - das Nationaltheater steht heute ausgerechnet am Goetheplatz – das Stadthaus oder die Jesuitenkirche bildeten weitere Ziele der Stadt- führungen, bis ein Teil der Gruppe mit der Überlandstraßenbahn der OEG (“Oberrheinische Eisenbahngesellschaft” oder auch “oh ewiges Gewackele”), das Gros mit der DB AG, nach Weinheim weiterfuhr. Dort fand die Reise im sehenswerten Gewölbekeller der “Woinemmer Hausbrauerei” ihr würdiges Ende. Oder doch nicht? Denn eine ganze Reihe Reisende ließ es sich denn doch nicht nehmen, zu später Stunde noch in der Mutter aller Hausbrauereien in der Karlsruher Kapellenstraße einzufallen und dort noch manchen “Absacker” zu nehmen. Das offizielle Ende, während des Bezahl-Chaos’, aber fand der Ausflug nach vielem berechtigtem Lob an die Organisatoren mit zwei offiziellen und zwei schönen Strophen des Badnerliedes in Weinheim.Der Abschluss fand in einer Karlsruher Hausbrauerei statt.

Die Fabrik, die Dienstleistungsstadt und das KnoddelkärchelFast 70 B.F.s.B.W.-ler beim Herbstausflug 2005 nach Graben-Neudorf, Mannheim und WeinheimVon Vizepräsident Rüdiger Homberg

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