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Im Jahr 2005 hieß es “In Mannheim die Fabrik ...”. Im Herbst 2006 hatten Wanderreferentin Marion Köppel und ihr persönlicher Adjutant Hans-Peter Köppel den Titel “In Haslach gräbt man Silbererz ...” über die Reise geschrieben, zu der in aller Herrgottsfrühe (am Morgen des Allerheiligentages um 7.45 Uhr !!) dennoch immerhin mehr als 60 aktive Badener am Marktplatz der Residenz angetreten waren, um sich vom Doppeldecker-Bus gen Süden und ins Kinzigtal kutschieren zu lassen.Seit der Mannheim-Weinheim-Tour 2005 haben die Köppels eine Tradition eingeführt, die nicht immer und überall zu ungeteiltem “Ja” geführt hatte: Man traf sich schon recht früh zum gemeinsamen Frühstück. 2005 in Graben-Neudorf, 2006 fuhr man dazu erst einmal bis zum Zielort der Reise, Haslach. Im Café Pöllath konnte zur ersten Stärkung am Büffet voll zugeschlagen werden. Brot, Brötchen, Kuchen aller Art. Klar, ist dem Café doch auch eine Bäckerei und Konditorei angeschlossen. Kaffee, Tee, heiße Schokolade flossen in Strömen, die Aufstriche und Beläge für die Backwaren waren Legion, Müsli durfte nicht fehlen. Den krönenden Abschluss des Frühstücks bildete ein Glas Sekt – alles im Preis inbegriffen. Zuvor verkündete Reisemanagerin Marion noch das Ergebnis einer schriftlichen Abstimmung. Zettel dazu konnten bereits aus der Anreise im Bus ausgefüllt werden. Gefragt war die Entscheidung, ob man auch in künftigen Jahren mit einem gemeinsamen Frühstück beginnen sollte. Das Resultat konnte kaum überraschen: Drei Viertel der Abstimmenden votierten pro gemeinsame Mahlzeit zu Beginn des Programms. Die Gegner waren hoffnungslos in der Minderzahl – wohl auch weil andere ihres Schlages schon gleich nicht mitgefahren sind. Die Verlierer erwiesen sich als gute Demokraten: Deutliches Murren oder gar Drohungen, nicht mehr mitzufahren, waren nicht zu vernehmen. Auch die zum Glück nicht sehr ernst gemeinte Bemerkung des Reisereferentinnen-Adjutanten, die Gegner könnten ja eine eigene Tour organisieren, blieb ohne nachhaltige Resonanz. Lediglich einmal wurde HP spaßig dafür angerempelt.“In Haslach gräbt man Silbererz ...”, heißt’s in der Hymne aller Badener. Aber die Metropole des oberen Kinzigtals hat außer Glitzerndem noch sehr viel mehr zu bieten. In sozusagen silberleuchtenden Farben schilderte Stadt-führer Alois Krafczyk den Gästen sein 7000 -Einwohner-Städtle. Der Mann ist dazu besonders qualifiziert, ist er doch neben vielem Anderem seit Jahren Kommandant der Haslacher Bürgerwehr und auch Vize-Chef des Zusammenschlusses Badischer Bürgerwehren. Und bei einem Fest, an dem im Februar die Haslacher Kinder durch die Stadt ziehen, um Köstliches wie Brezeln oder Süßigkeiten zu erbetteln, ist er seit 20 Jahren Mentor der Kleinsten und sorgt mit seiner bis in die erste Etage reichenden Stange dafür, dass nicht nur größere und stärkere Kinder bedacht werden. Sein Führung startete er vor der Metzgerei Hättich. Zwangsläufig entstand dort der Kalauer: “Hätt’ ich statt Schwarzwälder Schinken nicht doch lieber Leberwürschdle holen sollen?”Krafczyk erwies bei seiner Führung sich vor allem als besonderer Kenner des größten Sohns der Stadt, der auch in Freiburg und Hagnau gewirkt hat und Abgeordneter der Zweiten Kammer im Karlsruher Badischen Landtag war, als Mitglied der Fraktion der Katholischen Volkspartei. Sein Name Heinrich Hansjakob ist wohl den meisten bewussten Badener bekannt. Der Pfarrer, Schriftsteller und Politiker Heinrich Hansjakob war Zeit seines Lebens ein Mann mit eigenem Kopf. So ließ er sich etwa von der Obrigkeit im Freiburger erzbischöflichen Ordinariat nichts sagen. 1869 bis 1883 war Hansjakob Pfarrer der Gemeinde Hagnau am Bodensee, wo er 1881 den ersten badischen Winzerverein gründete. In diese Zeit fallen auch die ersten seiner zahlreichen Reisen in das europäische Ausland. Von 1871 bis 1881 vertrat Hansjakob als Abgeordneter im badischen Landtag die Interessen der katholischen Kirche im Großherzogtum. Seine Ansichten über eine Aussöhnung zwischen Staat und Kirche im Kulturkampf brachten ihm 1878 schwere Vorwürfe der katholischen Rechten ein und führten zu seiner Trennung von der Volkspartei. 1884 trat Hansjakob die Pfarrstelle an der Pfarrkirche St. Martin in Freiburg an. Ein chronisches Nervenleiden machte im Jahr 1894 einen mehrmonatigen Aufenthalt in der Nervenheilanstalt Illenau erforderlich.Im folgenden Jahr gehörte Hansjakob zu den Gründern des “Badischen Volkstrachtenvereins" und war Initiator der Trachtenfeste in Freiburg und zwei Jahre später in Haslach, zu dem auch das großherzogliche Paar kam, obwohl man den Querkopf nicht besonders liebte. Den ihm von Großherzog Friedrich I. aufgrund seiner Verdienste um die Volkstracht 1899 verliehenen “Zähringer Löwenorden" lehnte er mit Verweis auf seine demokratische Gesinnung ab. Wie er überhaupt alle Orden und Ehrungen ablehnte. Einzig die Ladung vor das Stockacher grobschlächtige Narrengericht nahm der ausgewiesene Narr Hansjakob gerne an. Nach seiner Pensionierung 1913 lebte er bis zu seinem Tod am 23. Juni 1916 in dem von ihm erbauten “Freihof" in seiner Heimatstadt Haslach. Krafczyk schilderte diese Stätte zwar in den schillerndsten Farben, konnte sie aber nicht zeigen, weil sie etwa ab vom Weg der Führung liegt. Aber das Kapuzinerkloster konnte er zeigen, das in Heinrich Hansjakobs Leben immer eine wichtige Rolle spielte, von der Jugendzeit, weil sein Beichtvater, der uralte Pater Leopold, stocktaub war und man ihm daher straflos alles erzählen konnte, bis ins Alter, als Hansjakob in der Kapelle sein 50. Priesterjubiläum feierte und dazu das Kirchlein ohne Rücksicht auf Denkmalschützerisches umbauen ließ.Heute beherbergt das Kloster das Haslacher Tourismusbüro und eine Ausstellung mit einer Übersicht über alle im Schwarzwald und seinen Randgebieten einstmals getragenen Trachten. Die Haslacher würdigen damit Hansjakobs Einsatz für den Erhalt der Volkskleidung. Sein schriftstellerisches Werk umfasst neben 74 Büchern zahlreiche Artikel in Zeitungen und Zeitschriften. Fast durchgehend sind seine Schriften autobiographisch geprägt. Erinnerungen an vergangene Begebenheiten und seine darin eingefügten persönlichen, oft moralisierenden Ansichten über die gegenwärtigen Zeitläufe, bilden das Gerüst seiner Erzählungen, Tagebücher und Reisebeschreibungen. Zahlreiche Angaben zu Heinrich Hansjakob sind zitiert nach dem Artikel von Joachim Faller im biographisch-biographischen Kirchenlexikon.Nach unterschiedlichen Angaben – und auch je nach der Größe bemessen – gab es im Raum Haslach einstmals zwischen 400 und 1000 größere, kleinere und kleinste Silberbergwerke. Seit 2004 wieder begehbar ist die Grube “Segen Gottes”, weil sie der Enthusiast Georg Allgaier ab 1997 mit Freunden wieder freilegte. Die Stollen und Schächte waren bis dahin seit dem Ende des Abbaus 1786 weitgehend in Vergessenheit geraten, mit Schlamm vollgelaufen und wohl auch teilweise verfallen.Bei seiner Arbeit wurde Allgaier auch einmal von einer Schlammlawine verschüttet und erst nach Stunden – weitgehend unverletzt – befreit worden. Eigentlich müsste die Liedzeile lauten “In Haslach gräbt man Schweherspat ...”. Denn Schwerspat ist das Erz, das in rauen Mengen in den Gruben um Haslach gefunden wurde. Der Silberanteil lag nur im Bereich weniger Prozent. In den letzten 60 Jahren vor Ende des Abbaus fand man gerade noch gut 30 Kilo Silber in “Segen Gottes”.Dies und vieles anderes wusste Alfred Hofmann, einer der Führer, die interessierte Reiseteilnehmer durch die Grube führten. Auf der Internetseite wirbt “Segen Gottes” damit, dass die Führer “interessant und unterhaltsam” durch das Besucherbergwerk führten. Die Geführten empfanden dies auf jeden Fall. Hofmanns Erzählungen halfen sehr gut, die teilweise sehr niedrigen und an anderen Stellen rückengefährdend krummen Stollen zu passieren und dennoch Augen für manche Ader oder den einen oder anderen Stalagtiten oder -miten zu haben. Wie war das bei dem einen Suchstollen? Den Kindern erzählt Hofmann gerne, der Berggeist wohne an dessen Ende, sie sollten doch mal nachsehen. Wenn sie dann enttäuscht zurück kommen, weil sie der Berggeist nicht daheim empfangen hat, tröstet sie Hofmann damit, dass der Geist wohl gerade bei Aldi einkaufe oder im Schwimmbad sei. Mit dieser Geschichte entschädigte Hofmann endgültig dafür, dass er zu Beginn seiner Führung ein Tempo vorlegte, dem nicht alle Teilnehmer mühelos folgen konnten. Die anderen Führer dürften ähnlich witzig gewesen sein.Ihren würdigen Haslacher Abschluss fand die BFsBW-Herbsttour 2006 in der “Schnellinger Silberstub’”. Schnellingen ist der Stadtteil von Haslach, zu dem das Besucherbergwerk und die angeschlossene Silberstub’ gehören. Das Personal der Schnellinger “Blume” bereitete den hungrigen Tourteilnehmern ein Büffet mit panierten Schweineschnitzeln und Puten-Rahmgeschnetzeltem sowie entsprechenden Beilagen. Und wer noch ein finales Abschlussbier brauchte, fiel nach Rückkehr in die Residenz in die Hausbrauerei des Badeners des Jahres 2005 ein.Alles in allem freuten sich die Teilnehmer sehr über den Verlauf der Badenerlied-Tour nach Haslach. Man darf gespannt sein, wie weitere Badenerlied-Herbsttouren in den nächsten Jahren aussehen mögen. Dass “in Konstanz der Rhein noch klar” ist, hat eine Reisegruppe vor vielen Jahren konstatiert. Aber das sollte möglicherweise doch mal wieder untersucht werden. Und besonders spannend wird wohl eine künftige Reise unter dem Titel “In Karlsruh’ ist die Residenz”. Der silberne Heinrich HansjakobMehr als 60 Baden-Aktivisten auf Herbsttour in HaslachVon Vizepräsident Rüdiger Homberg Bilder ansehen B.F.s.B.W. Bund Freiheit statt Baden-WürttembergKontakt Impressum © 2013 /B.F.s.B.W. Gästebuch Um alle Inhalte sehen zu können, benötigen Sie den aktuellen Adobe Flash Player. |