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Badener 2006

Mosbach, das ist eigentlich ein beschauliches Fachwerkstädtchen. Ein sehr schönes, besu- chenswertes dazu. Aber wenn es um die Heimatpflege geht, dann kann Mosbach wild werden. So wild, dass die Stadt im Jahr 1997 vom SWR (böse Zungen übersetzen diese Abkürzung mit “Schwäbisch-Württembergischer Rundfunk”, was - siehe unten - nicht immer ganz gerechtfertigt ist) bereits die Auszeichnung “wildeste Region im Wilden Süden” erhielt.Im Jahr 2005 veranstaltete das Programm SWR 1 eine vergleichende Hitparade. Oder eigentlich waren es sogar zwei Hitparaden. Die Teilnehmer mussten sagen, ob sie für die badische oder die württembergische Hitparade stimmen würden. Bei beiden Völkern landete “Stairway to Heaven” von Led Zeppelin auf Platz eins - wie das bei Hitparaden von SWR 1 fast immer der Fall.Aber einen herausragenden neunten Platz in der Hitparade der Badener nahm unsere Hymne ein, das Badenerlied. Ein gerüttelt Maß Anteil daran hatten die Abstimmer aus Mosbach, denn bei ihnen war das Badenerlied allererste Wahl. Dies konnte der B.F.s.B.W. nur mit der Auszeichnung der Mosbacher Bürger als “Badener des Jahres 2006 ehren. Und man nahm dies in der Stadt Mosbach gerne und mit großer Freude an, lebt das Badenerlied doch wirklich in dieser Stadt. Das dokumentiert sich unter anderem darin, dass jeden Samstag in der Gaststätte “Zum Odenwald” von Rolf Schill Badenerlied-Zeit ist. Dort singt auch die Jugend mit. Der 17-jährige Felix etwa, der Schills Compagneuse Monika Hecht einmal aufgefallen ist, als er seinen Hund Gassi führte - und dabei das Badenerlied summte. Monikas Einladung, samstags ins Lokal zu kommen, folgt er nun regelmäßig.Auch der damals noch amtierende OB Gerhard Lauth, der Gemeinderat und der inzwischen gewählte Lauth-Nachfolger Michael Jann waren sehr mit der Ehrung einverstanden. Und so machte sich eine Delegation des B.F.s.B.W.-Präsidiums zusammen mit einer ganzen Zahl ehemaliger Badener des Jahres sowie Ehrenpräsidenten am Mittwoch, 26. Juli 2006, mit einem Bus der Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) auf zur Metropole des Neckar-Odenwald-Kreises, die seit genau 200 Jahren badisch ist. ’s war sauhoiß! Weil der Juli ja der bis dahin heißeste je registrierte Monat war, und dieser Mittwoch einen bedeutenden Anteil daran hatte.Auf der Autobahn A 6 war östlich des Walldorfer Kreuzes bereits länger schon ein LKW-Stau über sechs Kilometer angesagt. Aber die Ober-Badener saßen ja nicht in einem Laster, sondern in einem Bus. Freilich sollte sich der LKW-Stau zu einem veritablen Super-Stau auf allen Spuren auswachsen. Denn mittlerweile waren drei schwere LKW so ineinander gekracht, dass ein Fahrer von der Feuerwehr rausgeschnitten werden musste. Zum Glück war er nicht tot (wer sein Führerhaus sah, konnte dies kaum glauben), sondern “nur” schwer verletzt. Aber die Bergung dauerte eben, und dauerte, und dauerte. Doch als es wieder weiterging, hätte der Bus der Delegation beinahe auf der mittleren Fahrspur stehen bleiben müssen. Denn inzwischen hatte sich die elektronische Bremse so fest gezogen, dass es dem Fahrer nicht mehr gelang, sie zu lösen. Ein Anruf bei der Werkstatt der VBK brachte keine Lösung. Zum Glück aber war der Badener des Jahres 1996, Ossi W. Pink, mit an Bord. Ossi sammelt nicht nur Strophen des Badenerliedes, sondern organisiert auch Hilfstrans- porte nach Kroatien. Und so kennt er einen, der über Defekte an LKWs und Bussen gut Bescheid weiß, den er anrufen konnte. Wie war das eigentlich früher, als es noch keine Mobiltelefone gab? Dessen Rezept war ein ganz einfaches: Das Bremspedal pumpend auf und ab bewegen, bis sich der Druck abgebaut hat. Und so konnte die heiße Reise durch den Kraichgau doch noch mit Auflösen des Staus fortgesetzt werden.An ein rechtzeitiges Ankommen war freilich längst nicht mehr zu denken. Aber Lauth und seine Stadträte - im Anschluss an die Ehrung war Lauths letzte Gemeinderatssitzung terminiert - wussten Bescheid. Mobiltelefone eben. Und Gründer Alexander Schwarzer, der individuell angereist war, konnte den Mosbacher Baden-Fans vor Eintreffen der Offiziellen etwas über die Ge- schichte Badens und des B.F.s.B.W. berichtenMit zweistündiger Verspätung trafen denn Präsidentin Ingrid Müller, “Minister für das Äußerste” und Ehrenpräsident Wolfgang Fritz und die übrige Busbesatzung im Rathaus zu Mosbach ein, wo sie im voll besetzten Foyer sehnsüchtig erwartet und mit tosendem Beifall begrüßt wurden.Die eigentliche Zeremonie ging dann selbstverständlich sehr viel rascher über die Bühne als ursprünglich geplant. Gerhard Lauth nahm stellvertretend für seine Bürger die Urkunde und die Medaille entgegen. Er wie Michael Jann und später, beim natürlich im “Odenwald” abgehaltenen gemütlichen Teil, auch Rolf Schill, erhielten die Majolika-Kachel zum Baden-Jubiläum und Präsidentin Ingrid Müller im Gegenzug das Mosbacher “Lumpenglöckle”.Es erinnert daran, dass sich eine Kurfürsten-Gattin einstmals in den Wäldern bei Mosbach verirrt und den Nachhauseweg nur noch deshalb gefunden hatte, weil die cleveren Mosbacher die Glocke ihres Rathausturmes anschlugen. Diesen akustischen Signalen konnte sie folgen. Und war dann irgendwann heil daheim. Präsidentin Müller kann das Glöcklein schlagen lassen, wenn einmal wieder bei einer Sitzung unbotmäßige, aber badische Unruhe herrscht.Wie es sich gehört, fand die Reise nach Mosbach ihren gebührenden Abschluss – natürlich, wie bereits erwähnt, im “Odenwald”. Dieses Lokal hat allerdings ein Manko: Einstmals stand es unter Biervertrag bei der einheimischen Brauerei Hübner. Als diese vor Jahren aufgeben musste - ihre “Alte Mälzerei ist nun Mosbachs Kongress- und Kommunikationszentrum - wurde sie übernommen. Und ausgerechnet von Schwabenbräu! So ließen sich denn Badener schwäbisches Bier schmecken.

Badener des Jahres 2006 Bürgerinnen und Bürger der Großen Kreisstadt Mosbach

Ehrung mit Hindernissen Von Haus- und Hofschreiberling Rüdiger Homberg

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